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10csg-0393 006 EkkehardSG1

Das Liber Benedictionum von Ekkehart IV. (CSG. 393, 6)

Die Einrichtung einer Handschrift kann einen Hinweis darauf geben, ob ein späteres Glossieren derselben geplant wurde. Viel Platz zwischen den Zeilen ist möglichwerweise ein Hinweis darauf, dass eine spätere Interlinearglossierung in der Konzeption der Handschrift bereits mitbedacht wurde. Bergmann spricht auch davon, dass die Anlage breiter Ränder ein Zeichen für eine im Konzept geplante spätere Glossierung sein kann. Planung findet aber nicht nur im Rahmen der Handschrifteneinrichtung statt: Geplant oder spontan kann auch der Glosseneintrag des jeweiligen Schreibers sein.

GlossareBearbeiten

Bei den Glossaren scheint die Frage „Geplant oder spontan?“ zunächst einfach zu beantworten. Beim lat. – ahd. Glossar Vocabularius Sancti Galli beispielsweise, einem Taschenwörterbuch für die Missionarsreise, spricht die Aufteilung der lat./ahd. Lemmata in Spalten und die Einteilung derselben in Sachgruppen, z. B. Tiere, Himmelskörper, Körperteile, deutlich für eine Planung.

Auch der Abrogans, ein lat. – lat. Synonymwörterbuch, das durchgängig althochdeutsch glossiert wurde, ist ein Beispiel für geplantes Glossieren. Sowohl die Durchgängigkeit der Glossierung, als auch die Anlage der jeweiligen überlieferten Handschriften sprechen dafür. Für die Überlieferung in der Pariser Handschrift lässt sich mit der Einrichtung von Doppelzeilen die Planung einer interlinearen Eintragung der ahd. Elemente feststellen. In den Überlieferungen aus St. Gallen und Karlsruhe stehen die ahd. Elemente unmittelbar nach den lat., also „im Text“.

Die Planung der Glossierung zeigt sich im Falle des Vocabularius Sancti Galli und des Abrogans eindeutig. Trotzdem ist es möglich, dass beispielsweise rein lat. – lat. Glossare von einem Benutzer spontan und vereinzelt volkssprachlich glossiert wurden.

TextglossierungBearbeiten

Bei der Textglossierung zeigt sich, dass es rückwirkend oft sehr schwierig ist, zu entscheiden, ob eine Glosse geplant oder spontan eingetragen wurde. Hilfreich ist es zunächst – falls möglich – Glossen aus unterschiedlichen Händen getrennt zu betrachten. Findet sich eine gewisse Häufigkeit/Durchgängigkeit oder eine spezifische Ausrichtung/eine hohe Komplexität bezgl. der Funktion der Glossen, so kann dies ein Zeichen für eine Planung sein. Seltene Einträge, die keiner Systematik folgen, sprechen eher für ein spontanes Vorgehen.

Ekkehart IV., Lehrer der St. Galler Klosterschule, glossierte im 11. Jhd. zahlreiche St. Galler Augustinus Handschriften aus dem 9. Jhd. Diese Systematik könnte beispielsweise ein Hinweis auf ein geplantes Vorgehen sein.

Ein interessantes Beispiel ist das Liber Benedictionum (St. Gallen Stiftsbibliothek Cod. 393, -->Digitalisat des Cod. Sang. 393), ein Werk, das Ekkehart vermutlich schon als Klosterschüler anlegte und selbst umfangreich glossierte. Der Mittelteil der Handschrift zeigt in seiner Anlage viel Raum für Interlinearglossen, der auch genutzt wurde. Gerade die ersten und letzten Seiten sind hingegen dicht konzipiert, sodass Ekkehart mit der Einrichtung wohl keine spätere Glossierung forciert haben dürfte. Aber auch im Liber Benedictionum, dessen Einrichtung und Glossierung von Ekkehart geplant wurde, finden sich wiederum Glossen anderer Schreiber (-> Glossierungsschichten), für die die Frage „Geplant oder spontan?“ jeweils gesondert gestellt werden muss.


Literatur:Bearbeiten

Bergmann, Rolf (2009): Geplante Glossierung. In: Rolf Bergmann/Stefanie Stricker (Hg.): Die althochdeutsche und altsächsische Glossographie. Ein Handbuch. Band 1. Berlin/New York, S. 316–318.

Glaser, Elvira (2003): Typen und Funktionen volkssprachiger (althochdeutscher) Eintragungen im Lateinischen Kontext. In: Sprachwissenschaft 28, S. 1–27.

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