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Die Verschriftungssituation ist bei Griffelglossen oftmals informeller und spontaner als bei Federglossen. Besonders im Bereich lautlicher Phänomene lassen sich Reflexe sprechsprachlicher Formen nachweisen. Auf Grund fehlender bzw. durch die informelle Verschriftungssituation außer Kraft gesetzter Normvorstellungen lässt sich bei Griffelglossen von der Ebene der Graphie gut auf die Ebene der Lautung schließen. Die Gliederung erfolgt nach Ernst/Glaser (2009:1008ff.)

UmlautgraphienBearbeiten

<e> statt <ei> für vorahd. /ai/Bearbeiten

Produkte der LautverschiebungBearbeiten

<s(s)> statt <z(z)> für ahd. /zz/ (< vorahd. /t/)Bearbeiten

Vorkommen: "besonders in Gl" (BRG §160, Anm. 2)Bearbeiten

  • St. Galler Vorakte (Sonderegger 1961:276)
  • Federglossen (z.B. BStK 15: Archiv des Bistums Augsburg, HS 10; fol. 128v, Z.21, interl.: lat. quid dixerat - ahd. uas er erseggta; BStK 13: Archiv des Bistums Augsburg, HS 4; fol. 9v, Z.?: lat. sinitur - ahd. glassin uuirt)

Griffelglossenhandschriften mit diesem Phänomen:Bearbeiten

Bedeutung:Bearbeiten

  • möglicherweise "früher Reflex des Zusammenfalls mit vorahd. /s/" (Ernst/Glaser 2009:1011), in Grammatiken erst ab Ende des 12. Jh. in der Graphie (Paul, Mhd. Gramm. § L121, 4)
  • Belege v.a. aus dem Obd. -> dort evtl. früherer Beginn des Zusammenfalls (Ernst/Glaser 2009:1012)

<tz, ts, ds, thz> für ahd. /zz/ (< vorahd. /t/)Bearbeiten

<t> für vorahd. /þ/Bearbeiten

[η]Bearbeiten

Einfachschreibung von GeminatenBearbeiten

PräfixgraphienBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Ernst, Oliver; Glaser, Elvira. 2009. "Graphematik und Phonematik." In: Bergmann, Rolf; Stricker, Stefanie (Hgg.): Die althochdeutsche und altsächsische Glossographie. Ein Handbuch. Band 2. Berlin / New York: de Gruyter, 995-1019.